Lörrach Reger Zirkusbesuch trotz Protestaktion

Adrian Steineck
In dieser Saison stand mehrfach auch die Polizei vor dem Zirkuszelt. Zweimal kam es zu Zwischenfällen mit Zirkusmitarbeitern und Demonstranten. Foto: Marco Fraune

Der Lörracher Weihnachtscircus ist zu Ende. Zirkussprecherin Sandra Frank zieht eine grundsätzlich zufriedene Bilanz der Saison. Die Vorfälle im Zusammenhang mit Protesten von Tierrechtsaktivisten hätten auch für viel Solidarität mit den Zirkusleuten gesorgt.

Sandra Frank hat eigentlich Grund zur Freude. „Die vergangene Saison war ganz gut für den Weihnachtscircus“, sagt die Zirkussprecherin. Zum Finale jeder Vorstellung habe es stehenden Beifall für die Akteure in der Manege gegeben.

Zugleich verhehlt Frank im Gespräch mit unserer Zeitung nicht, dass die Ereignisse der zu Ende gegangenen Saison an allen Beteiligten nicht spurlos vorübergegangen sind. „Das war unschön“, bringt sie es auf den Punkt.

Seit Beginn des Zirkus-Gastspiels waren vor dem Zelt auf dem Festplatz am Haagensteg auch Tierrechtsaktivisten anzutreffen, die lautstark ein Verbot von Tieren im Zirkus forderten. Zu einem ersten Zwischenfall kam es, als Zirkusdirektor Manuel Frank einem der Aktivisten einen Kopfstoß versetzt haben soll. „Das tut uns leid, das darf nicht passieren“, hat die Zirkusfamilie Frank diesen Vorfall gegenüber unserer Zeitung eingeräumt.

Zu einem zweiten Vorfall kam es einige Tage später. Hier soll der Zirkusdirektor einen Polizisten attackiert haben, der die Musikanlage des Zirkuszelts leiser drehte. Daraufhin wurde er von vier Beamten überwältigt.

Mehrere Personen hätten sich eingemischt, teilte die Polizei mit, die nach eigenen Angaben Pfefferspray einsetzen musste. Die Lage sei schließlich durch Hinzuziehung weiterer Polizeikräfte bewältigt worden. Vier Polizeibeamte und acht Artisten und Zirkusmitarbeiter sollen verletzt worden sein.

Gespräch mit der Stadt

Die Zirkusfamilie Frank, die den Weihnachtscircus in Lörrach seit mehr als 20 Jahren betreibt, werde in den nächsten Tagen das Gespräch mit der Stadt suchen, um ihre Sicht der Dinge zu schildern. „Dazu hatten wir bisher noch keine Gelegenheit“, sagt Frank.

Aus Sicht der Zirkusbetreiber haben die Polizeibeamten überreagiert. „Die Gewalt ging nicht von uns aus“, sagt Sandra Frank. Der Zirkusdirektor sei von mehreren Polizeibeamten am Boden festgehalten worden. Als Zirkusmitarbeiter darauf hinwiesen, dass der Mann herzkrank ist, habe dies ebenfalls nicht für ein Einlenken gesorgt.

Frank dankt ausdrücklich dem Publikum aus Lörrach und der Umgebung. Der Besucherzuspruch habe auch nach den Vorfällen nicht nachgelassen. Viele Besucher, die die Proteste miterlebten, hätten ihre Solidarität mit dem Weihnachtscircus bekundet und sich auch spontan bereit erklärt, vor Gericht auszusagen.

Was die Aktivisten sagen

Es gebe auch Videos von Besuchern, die einen gänzlich anderen Eindruck der Geschehnisse vermitteln würden als das Video, das die Tierrechtsaktivisten in den „sozialen Medien“ geteilt haben. „Es gab im Internet Hassparolen gegen uns, aber ebenso gab es eine große Solidarität“, schildert Frank die Rückmeldungen.

Die Tierrechtsaktivisten selbst ziehen im Gespräch mit unserer Zeitung ebenfalls eine positive Bilanz.

„Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Unterhaltung auch ohne Tiere geht, und das ist uns gelungen“, sagt Larissa Kraus, die selbst während der Proteste vor Ort war und in einer Mitteilung der Aktivisten als Ansprechpartnerin genannt wird. Es habe viele positive Rückmeldungen von Besuchern gegeben, die sich bisher noch nie Gedanken über die Rolle von Tieren im Zirkus gemacht hätten und nun ins Grübeln gekommen seien.

Was aber ist mit Kindern, die laut der Zirkussprecherin weinend ins Zelt kamen und mit Popcorn getröstet werden mussten, weil sie von Aktivisten beschimpft worden seien? „Das ist schlichtweg gelogen“, sagt Kraus. Auch das Wort „Tiermörder“ sei – entgegen der Aussage von Sandra Frank – niemals gefallen. Ebenso distanzieren sich die Aktivisten von Sachbeschädigungen, die wohl von der Zirkusfamilie „selbst inszeniert“ worden seien. Haben sich die Aktivisten vor Ort ein Bild der Lage gemacht, etwa eine Zirkusprobe besucht? „Wir brauchen nicht zu sehen, wie die Tiere im Zirkus untergebracht sind, denn wir kritisieren generell, dass Tiere in der Manege auftreten“, sagt Kraus. Und weiter: „Wir sind keine Tierschützer.“

Die Tierrechtsaktivisten bezeichnen sich selbst als lose Gruppe, die von der Tierrechtsorganisation Peta zwar Zustimmung erhalte, aber ansonsten nicht mit dieser verbandelt sei. Für dieses Jahr sind wieder Proteste in der Lörracher Innenstadt geplant, wie sie seit dem Jahr 2018 etwa 30-mal im Jahr stattfinden würden, kündigt Kraus an.

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